Glückskette – Die solidarische Schweiz

Glückskette Schweiz Solidarität


Die Schweizer Glückskette ist eine faszinierende und einflussreiche Organisation, die seit über 75 Jahren eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Menschen in Not spielt. Ihre Geschichte reicht bis in die Nachkriegszeit zurück, als sie als einfache Radiosendung begann, um Spenden für Kriegsopfer zu sammeln. Heute ist sie zu einer der grössten Spendensammlungen des Landes gewachsen und hat fast zwei Milliarden Franken für humanitäre Projekte auf der ganzen Welt aufgebracht.

In diesem umfassenden Porträt werden wir die beeindruckende Geschichte der Glückskette, ihre Arbeitsweise, ihre Projekte und die Herausforderungen, denen sie sich gegenübersieht, eingehend beleuchten. Wir werden auch die Kritik an der Organisation analysieren und verstehen, warum sie eine so zentrale Rolle im schweizerischen Selbstverständnis als solidarische Gemeinschaft spielt.

Die Geburt der Glückskette: Aus einer Radiosendung zur landesweiten Spendenorganisation

Die Geschichte der Glückskette beginnt 1946 in Lausanne. Zwei Moderatoren des öffentlich-rechtlichen Westschweizer Radios, Roger Nordmann und Jack Rollan, hatten die Idee, gemeinsam mit ihren Hörern einen Solidaritätssender zu gründen, um die vom Zweiten Weltkrieg Betroffenen zu unterstützen. Am 26. September 1946 wurde der erste Spendenaufruf ausgestrahlt, der später zu einer wöchentlichen Sendung mit dem Namen "La Chaîne du Bonheur" (Die Glückskette) umgewandelt wurde.

Anfangs konzentrierte sich die Glückskette auf Sachspenden wie Bücher, Schuhe, Matratzen und warme Kleidung, die das Schweizerische Rote Kreuz als erste Partnerorganisation weiterverteilte. Schon bald verbreitete sich die Idee aus der Westschweiz in die Deutschschweiz ("Glückskette") und ins Tessin ("La buona azione"/"Catena della Solidarietà"). Die erste landesweite Sammlung kam Soldaten zugute, die an den schweren Folgen einer versehentlichen Kühlöl-Vergiftung litten.

Von 1948 bis 1968: Europäische Dimension und wachsende Professionalisierung

In den folgenden Jahren arbeitete die Organisation mit Medien aus den Nachbarländern der Schweiz zusammen, was dazu beitrug, den Aktionen eine europäische Dimension zu verleihen. 1954 wurde die wöchentliche Radiosendung eingestellt, aber in den folgenden Jahren ging die Glückskette wieder auf Sendung, sobald die aktuellen Ereignisse es erforderten.

1983 wurde die Glückskette aufgrund der zunehmenden Fundraising-Aktivitäten und der Professionalisierung ihrer Tätigkeit in eine unabhängige Stiftung umgewandelt. Seitdem ist sie sehr eng mit der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR) verbunden und wird als deren "humanitärer Arm" bezeichnet.

Die Glückskette als "humanitärer Arm" der SRG SSR

Die Glückskette profitiert von der besonderen Unterstützung des öffentlichen Radios und Fernsehens und arbeitet auch mit privaten Medien zusammen. Sie verteilt nicht einfach Geld, sondern finanziert Hilfsprojekte von erfahrenen Schweizer Hilfswerken in der Sofort- und Rehabilitationshilfe sowie beim nachhaltigen Wiederaufbau.

Der Stiftungsrat besteht aus fünf Mitgliedern aus den Reihen der SRG SSR und wird aktuell von RTS-Direktor Pascal Crittin präsidiert. Auf operativer Ebene vermittelt die SRG SSR die Kampagnen der Glückskette über ihre verschiedenen Kanäle und Plattformen.

Projekte und Schwerpunkte der Glückskette

Im Laufe der Jahre hat die Glückskette ihr Tätigkeitsspektrum erweitert. Eine ihrer Prioritäten ist die Hilfe für bedürftige Menschen in der Schweiz, insbesondere für Kinder. Ihre Spendenkampagnen konzentrieren sich aber auch auf den Wiederaufbau nach Naturkatastrophen und die Unterstützung der Opfer von Konflikten und Krankheiten in vielen Teilen der Welt.

Nothilfe und Katastrophenreaktion

Die Glückskette reagiert schnell und unbürokratisch auf Katastrophen und Notlagen. So wurden nach dem Tsunami in Südostasien 2004/2005 insgesamt 227 Millionen Franken gesammelt, eine der grössten Sammlungen in der Geschichte der Stiftung. In der Schweiz wurde eine der wichtigsten Aktionen im Jahr 2000 nach den heftigen Unwettern im Dorf Gondo im Wallis organisiert, bei der 74 Millionen Franken zur Unterstützung der Opfer gesammelt wurden.

Wiederaufbau und Rehabilitation

Neben der Nothilfe finanziert die Glückskette auch längerfristige Projekte zur Instandstellung (Rehabilitation) und zum nachhaltigen Wiederaufbau. Dafür wurden spezielle Projektkommissionen gebildet, die die Projekte prüfen, bewilligen und kontrollieren.

Hilfe für Menschen in der Schweiz

Ein wichtiger Schwerpunkt der Glückskette ist die Unterstützung bedürftiger Menschen in der Schweiz, insbesondere von Kindern. So wurde 2020 eine Spendensammlung für die Coronavirus-Krise eingerichtet, die bisher fast 43,5 Millionen Franken zusammengebracht und über 1,7 Millionen Menschen unterstützt hat.

Partnerorganisationen und Qualitätssicherung

Die Glückskette arbeitet nicht selbst operativ im Ausland, sondern finanziert Projekte von 25 Schweizer Partnerhilfswerken. Alle vier Jahre überprüft sie diese Partnerschaften und erneuert die Akkreditierungen, löst Partnerschaften auf oder akzeptiert neue Hilfswerke.

Damit will die Glückskette sicherstellen, dass die Spenden möglichst wirksam eingesetzt werden. Sie kontrolliert die Projekte vor, während und nach der Finanzierung, um die Unabhängigkeit der Hilfe zu gewährleisten und die Verpflichtungen gegenüber den Spendern zu erfüllen.

Kritik und Herausforderungen

Trotz ihrer beeindruckenden Leistungen sieht sich die Glückskette auch Kritik ausgesetzt. So wurde der ukrainische Botschafter in der Schweiz, Artem Ribtschenko, unlängst öffentlich, weil er der Organisation vorwarf, die Spendengelder für die Ukraine nicht schnell genug weiterzuleiten.

Der ehemalige Glückskette-Direktor Tony Burgener sieht ein grundsätzliches Problem in der Kontrolle und Wirksamkeitsüberprüfung der vielen Projekte. Er weist auch auf die Korruptionsanfälligkeit des ukrainischen Staates hin, was die Hilfe nicht erleichtere.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Glückskette angesichts der Vielzahl an Hilfsprojekten in verschiedenen Ländern und Krisen tatsächlich eine umfassende Qualitätskontrolle leisten kann. Hier sehen Experten die Organisation vor einer kaum lösbaren Aufgabe.

Die Bedeutung der Glückskette für die Schweiz

Trotz der genannten Herausforderungen ist die Glückskette aus dem Schweizer Selbstverständnis als solidarische Gemeinschaft nicht wegzudenken. Seit ihrer Gründung vor über 75 Jahren hat sie eine Milliarde Franken für humanitäre Projekte gesammelt und damit Millionen von Menschen in Not geholfen.

Für viele Schweizer Bürger ist die Glückskette ein Symbol der nationalen Solidarität und Hilfsbereitschaft. Ihre Spendensammlungen, die eng mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk verbunden sind, mobilisieren die Bevölkerung regelmässig, um Katastrophenopfern und Menschen in Krisengebieten beizustehen.

Auch wenn es Kritikpunkte an der Organisation gibt, bleibt die Glückskette eine der wichtigsten Finanzierungsquellen der humanitären Hilfe in der Schweiz. Ihre Arbeit ist tief in der Schweizer Gesellschaft verwurzelt und wird von der Mehrheit der Bürger getragen.

Ausblick: Die Glückskette im 21. Jahrhundert

In den kommenden Jahren wird die Glückskette weiterhin gefordert sein, ihre Arbeit an die sich verändernden Herausforderungen anzupassen. Die wachsende Zahl an Krisen und Katastrophen, die zunehmende Professionalisierung des Sektors und der Ruf nach mehr Transparenz und Wirkungskontrolle stellen die Organisation vor grosse Aufgaben.

Dennoch bleibt die Glückskette ein Aushängeschild der Schweizer Solidarität und ein wichtiger Akteur im humanitären Bereich. Mit ihrer Fähigkeit, die Bevölkerung zu mobilisieren, ihrer Nähe zur SRG SSR und ihrem Netzwerk erfahrener Partnerhilfswerke ist sie gut gerüstet, um auch in Zukunft eine zentrale Rolle bei der Unterstützung von Menschen in Not zu spielen.

Die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen im Jahr 2021 waren ein Anlass, die Bedeutung der Glückskette für die Schweiz zu unterstreichen. Und auch in den kommenden Jahrzehnten wird die Organisation weiterhin ein wichtiger Pfeiler des schweizerischen Engagements für Hilfsbedürftige in der Schweiz und weltweit bleiben.

Fazit

Die Schweizer Glückskette ist eine faszinierende und einflussreiche Organisation, die seit über 75 Jahren eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Menschen in Not spielt. Aus einer einfachen Radiosendung ist sie zu einer der größten Spendensammlungen des Landes gewachsen und hat fast zwei Milliarden Franken für humanitäre Projekte auf der ganzen Welt aufgebracht.

Trotz gelegentlicher Kritik ist die Glückskette tief in der Schweizer Gesellschaft verwurzelt und wird von der Mehrheit der Bürger getragen. Sie ist ein Symbol der nationalen Solidarität und Hilfsbereitschaft und bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Akteur im humanitären Bereich.


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