Was ist eine Stiftung?
Von Markus Fuchs • Veröffentlicht am 30.03.2026 • Lesezeit: ca. 5 Minuten

Stiftungen spielen eine zentrale Rolle im Schweizer Philanthropie-Sektor - in der Tat ist die Schweiz weltweit führend, wenn es um Stiftungsdichte geht. Doch was verbirgt sich genau hinter diesem Begriff, und welche verschiedenen Formen von Stiftungen gibt es? In diesem umfassenden Artikel tauchen wir tief in die Welt der Stiftungen ein, um ihr Wesen, ihre Strukturen und ihre Funktionsweise zu verstehen.
Definition und Grundlagen der Stiftung
Eine Stiftung ist eine juristische Person, bei der Vermögen für einen fest umrissenen Zweck verselbständigt wird. Anders als bei einer Kapitalgesellschaft, wo das Vermögen den Eigentümern gehört, gehört das Stiftungsvermögen der Stiftung selbst. Der:die Stifter:in überträgt dieses Vermögen bei der Gründung unwiderruflich an die Stiftung.
Das Stiftungsvermögen setzt sich aus einem Stammvermögen und einem Anlagevermögen zusammen. Das Stammvermögen ist das Startkapital, das der:die Stifter:in bei der Gründung investiert. Dieses Kapital muss in der Schweiz in der Regel mindestens 50.000 CHF betragen und kann auch in Form von Sachwerten eingebracht werden. Das Stammvermögen wird in der Regel nicht angetastet, sondern dient dazu, Erträge zu erwirtschaften. Diese Erträge bilden dann das Anlagevermögen, das für die Verfolgung des Stiftungszwecks verwendet wird.
Um als Stiftung anerkannt zu werden, muss sie zwingend im Handelsregister eingetragen sein. Gemeinnützige Stiftungen unterliegen zudem der staatlichen Aufsicht. Der in der Stiftungsurkunde festgelegte Zweck ist für die Stiftung bindend und kann nur in Ausnahmefällen geändert werden.
Unterschiede zwischen Stiftungsarten
Stiftungen lassen sich anhand verschiedener Kriterien in unterschiedliche Typen einteilen:
Förderstiftungen
Förderstiftungen sind gemeinnützig und unterstützen andere Organisationen, Projekte oder Personen finanziell. Sie nehmen Förderanträge entgegen, bewerten diese und leisten gegebenenfalls finanzielle Unterstützung.
Operative Stiftungen
Operative Stiftungen planen und setzen eigene Projekte um, führen Institutionen oder organisieren Veranstaltungen. Sie genehmigen in der Regel keine Förderanträge, sondern sind selbst auf der Suche nach Fördergeldern.
Dachstiftungen
Dachstiftungen bieten Stifter:innen eine Plattform, um eine eigene Fördertätigkeit unter ihrem Dach durchzuführen, ohne eine eigene Stiftung gründen zu müssen. Die Stifter:innen bestimmen den gemeinnützigen Zweck, den die eingebrachten Vermögenswerte erreichen sollen.
Verbrauchsstiftungen
Bei Verbrauchsstiftungen darf das Stiftungsvermögen neben den Erträgen auch selbst für den Stiftungszweck ausgegeben werden. Dadurch wird das Vermögen im Laufe der Zeit aufgebraucht, bis die Stiftung schliesslich ihre Tätigkeit einstellen muss.
Unternehmensstiftungen
Unternehmensstiftungen haben einen engen Bezug zu einem Unternehmen. Sie können das Unternehmen direkt betreiben (Unternehmensträgerstiftung) oder finanziell daran beteiligt sein (Holdingstiftung).
Familienstiftungen
Familienstiftungen dienen dem Erhalt des Familienvermögens und der finanziellen Unterstützung der Familienmitglieder. Sie sind nicht gemeinnützig und daher auch nicht steuerbefreit.
Kirchliche Stiftungen
Kirchliche Stiftungen unterstehen nicht der staatlichen, sondern der kirchlichen Aufsicht. Ausserdem sind sie nicht im Handelsregister eingetragen, sondern mit einer bestimmten Religionsgemeinschaft verbunden.
Stiftungsgründung und -verwaltung
Der Prozess der Stiftungsgründung beginnt mit der Festlegung des Stiftungszwecks durch den:die Stifter:in. Anschliessend wird das Stiftungsvermögen in einer notariellen Urkunde oder per Testament übertragen. Die Stiftung muss dann im Handelsregister eingetragen werden, um ihre Rechtspersönlichkeit zu erlangen.
Die Verwaltung der Stiftung obliegt dem Stiftungsrat, der aus mindestens drei Personen bestehen muss. Mindestens ein Mitglied des Stiftungsrats muss seinen Wohnsitz in der Schweiz haben. Der Stiftungsrat ist für die Einhaltung des Stiftungszwecks verantwortlich und trifft alle strategischen Entscheidungen.
Die Rolle der Aufsichtsbehörden
Mit Ausnahme von Familienstiftungen und kirchlichen Stiftungen unterliegen alle Stiftungen der staatlichen Aufsicht. Je nach Kanton sind dafür unterschiedliche Behörden zuständig, z.B. das Departement des Innern oder das Finanzdepartement.
Die Aufsichtsbehörden prüfen, ob die Stiftung ihren Zweck rechtmässig und satzungsgemäss verfolgt. Sie können Änderungen in der Stiftungsverwaltung oder sogar die Auflösung der Stiftung anordnen, wenn Verstösse festgestellt werden.
Stiftungen als Instrument der Philanthropie
Stiftungen spielen eine zentrale Rolle im Schweizer Philanthropie-Sektor. Mit über 13.000 gemeinnützigen Stiftungen und einem Stiftungsvermögen von rund 100 Milliarden CHF nimmt die Schweiz weltweit eine Spitzenposition ein.
Stiftungen ermöglichen es Privatpersonen, Unternehmen und der öffentlichen Hand, sich langfristig für gemeinnützige Zwecke zu engagieren. Sie tragen massgeblich zur gesellschaftlichen Vielfalt und Innovation bei, indem sie Projekte in Bereichen wie Bildung, Forschung, Kultur oder Soziales fördern.
Aktuelle Trends und Herausforderungen
In jüngster Zeit zeichnen sich einige wichtige Trends und Entwicklungen im Stiftungswesen ab:
Digitalisierung und Technologie
Die Digitalisierung eröffnet Stiftungen neue Möglichkeiten, ihre Arbeit effizienter zu gestalten. Zum Beispiel können sie durch den Einsatz von Big Data und KI ihre Fördertätigkeit zielgenauer ausrichten.
Stärkere Wirkungsorientierung
Stiftungen stehen zunehmend unter Druck, die Wirkung ihrer Förderung messbar zu machen. Sie müssen ihre Förderprogramme und -kriterien regelmässig evaluieren und anpassen.
Verantwortungsvolle Geldanlage
Das Thema verantwortungsvolle Geldanlage gewinnt an Bedeutung. Stiftungen setzen sich damit auseinander, wie sie ihr Vermögen nachhaltig und im Einklang mit ihren Werten anlegen können.
Zusammenarbeit und Vernetzung
Stiftungen erkennen den Wert von Kooperationen und Netzwerken, um ihre Wirkung zu verstärken. Sie tauschen sich verstärkt untereinander aus und suchen den Dialog mit anderen Akteuren.
Ausblick: Die Zukunft der Stiftungen in der Schweiz
Die Bedeutung von Stiftungen in der Schweiz ist ungebrochen. Angesichts drängender gesellschaftlicher Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Digitalisierung oder der wachsenden sozialen Ungleichheit werden Stiftungen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.
Um ihre Wirkung zu maximieren, müssen Stiftungen jedoch agiler und innovativer werden. Sie sind gefordert, neue Wege zu beschreiten, ihre Förderprogramme stetig an veränderte Bedürfnisse anzupassen und über Organisationsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten.
Gleichzeitig ist es wichtig, dass der rechtliche Rahmen für Stiftungen attraktiv bleibt und ihre Handlungsspielräume nicht unnötig eingeengt werden. Nur so können Stiftungen ihre Potenziale voll entfalten und einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten.
Fazit
Stiftungen sind ein zentrales Element des Schweizer Philanthropie-Sektors. Sie ermöglichen es Privatpersonen, Unternehmen und der öffentlichen Hand, sich langfristig für gemeinnützige Zwecke zu engagieren.
Die verschiedenen Stiftungstypen unterscheiden sich in Bezug auf ihre Zwecksetzung, Organisationsstruktur und Verwaltung. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Vermögen für einen bestimmten Zweck verselbständigen und einer staatlichen Aufsicht unterliegen - mit Ausnahme von Familienstiftungen und kirchlichen Stiftungen.
In Zukunft werden Stiftungen gefordert sein, ihre Arbeit noch wirkungsorientierter, digitaler und vernetzter zu gestalten. Nur so können sie ihre volle Kraft entfalten und einen entscheidenden Beitrag zur Lösung drängender gesellschaftlicher Herausforderungen leisten.
Diesen Artikel zitieren (Quellenangabe):
Fuchs, Markus (2026). Was ist eine Stiftung?. spendenbuch.ch. Abgerufen am 30.03.2026, von https://www.spendenbuch.ch/blogs/non-profit/was-ist-eine-stiftung

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